„Gegen das Vergessen“

Eine Rückblick auf die Tour 2020!

Lange habe ich mich um diese Zeilen gedrückt. Eine Zusammenfassung über meine Tour 2020 „Gegen das Vergessen“ zu schreiben. Man könnte es ganz nüchtern einfach mit Zahlen machen. Kilometer, Orte , Regentage, usw…

So nüchtern geht das diesmal gar nicht. Monate später schwingt das Gesehene uns gehörte immer noch nach und ein Jahr später versuche ich es in Zeilen zu fassen. Daran kann man schon erkennen das es schwer ist die Worte zu finden. Und während ich den Anfang schreibe merke ich das ich damit scheitern werde.

Ich glaube nicht das ich dem Thema mit meinen Zeilen gerecht werden kann. Es so zu formulieren das es nicht den Eindruck des erhobenen Zeigefingers weckt, um dann auf der anderen Seite zu sachlich und distanziert zu wirken.

Mit der Idee „Gegen das Vergessen“, und vor allem sehr naiv habe ich dann diese Radtour geplant um mich auf diese Reise zu begeben. Eine Reise zu sehen was von damals geblieben ist. Welche Erinnerung und Gedenken sind an den Orten der ehemaligen Außenlager und wie gehen wir heute mit der Geschichte um und können wir darüber schon offen reden.

Mit der Unterstützung durch das Zeithistorischen Zentrum Melk in Person von Dr. Christian Rabl, wurde ich auf und über die Dimension in Österreich aufmerksam gemacht und informiert. Der Kontakt kam durch Alexander Hauer zustande. Er war es der mit dem Verein „MERKwürdig“ eine Erinnerungskultur in Melk angestoßen (KZ Melk) hat die seitdem Jahr für Jahr mehr Interesse erfährt und die Geschichte bei Rundgängen auch erzählt und näher gebracht wird.

Danke dafür!

Ein Spruch über den man nachdenken soll. Spiegelt es doch unsere Reaktion im Alltagsleben sehr oft.

Neben den vielen Orten mit dunklen Vergangenheit die in dieser wunderschönen Landschaft Österreichs eingebettet sind, fällt es schwer zu verstehen was in der NS Zeit hier mancher Orts grauenhaftes passiert ist. Für mich war es eine unfassbare Achterbahn an Gefühlen in diesen zwei Wochen die ich durchlebte.

Auf dieser Tour gab es für mich auch persönliche Momente die noch lange nachschwingen werden. Die Begegnungen mit den Menschen vor Ort und deren Geschichte, aber auch die Unfassbaren Zahlen und Fakten. Hier möchte ich das Treffen mit Brigitte Höfert der Tochter des im KZ Mauthausen hingerichteten Wehrmachtsdesserteur Karl Ruppitsch kurz anführen. Sie kämpft um die Anerkennung der Goldegger Wehrmachstdeserteure. Die Geschichte zeigt den Wahnsinn der damals vor unserer Haustür stattgefunden hat und dem man ausgeliefert war. Es ist ein Beispiel was sich abseits der Konzentrationslager abgespielt hat.

Die Zeit mit Willi Seidl beim KZ Loipl bei Klagenfurt und Martha Gammer beim KZ Gussen. Auch die Führung mit Mag. Florian Schwanninger im Lern und Gedenkort Hartheim, war sehr bewegend. Hartheim war eine von sechs Euthanasie Tötungsanstalten in der NS Zeit. Hier wurden geschätzt 30.000 Menschen ermordet. Durch die Forschungsarbeit konnten 23.000 Opfern der Name und Geschichten zurückgegeben werden. Man ringt nach Luft, versucht unbegreifliches zu verstehen, der Druck auf der Brust wird immer mehr, man hat das Gefühl das man von den ganzen einfach erdrückt wird. Erdrückt einfach schier von den nackten Zahlen die einen auf dieser Reise entgegenschlagen.

In all diesen Momenten und Treffen mit diesen Menschen wird deutlich das wir noch einen Weg vor uns haben. Einen Weg der Aufklärung ohne mit dem Finger auf den anderen zu zeigen. Eine Aufklärung für ein „NIE WIEDER“ und der Sensibilisierung warum und wie so etwas entstehen kann.

So stand ich dann an diesen vielen Orten und konnte das Geschehene nicht begreifen. Mit dem Wissen das Menschen ausgeliefert waren, der Willkür durch die Bewacher und der unmenschlichen Umstände die dort geherrscht haben.

Die Geschichte der Orte, die durch das Engagement von Gedenkinitiativen vor Ort erzählt und weitergegeben werden. Von Menschen die es sich zur Aufgabe gemacht haben die Vergangenheit nicht vergessen zu lassen. Die mit ihrem Einsatz verhindern das Gras über die Sache wächst. Auch dafür möchte ich Danke sagen.

Ein Gedenken kann dort stattfinden wo man erinnert, wo eine Tafel, einen Gedenkstein, eine Skulptur ein Denkmal an die Geschichte erinnert und mahnt. Nach dem Krieg sind unzählige Gedenksteine in beinahe jedem Ort gewachsen. Zur Erinnerung unserer Opfer des 1. und 2. Weltkrieges. In manchen Orten wird schlicht darüber hinweggesehen das es jemals ein Außenlager gegeben hat. Es wird totgeschwiegen, irgendwann muss ja auch einmal Schluß mit dem ganzen sein. Oder wie im Fall am Flughafen Schwechat wo der Gedenksteine dann so angebracht das er öffentlich nicht zugänglich ist.

Wir haben noch was zu tun. Es geht nicht darum jemanden Schuld aufzuladen, dafür ist unsere Generation die nach dem Krieg geboren wurde auch nicht mehr verantwortlich zu machen. Aber wir haben eine Verantwortung, es nicht zu vergessen und zu mahnen das so etwas nicht wieder passieren kann. Wir alle sind aufgefordert wachsam zu sein, auch uns selbst gegenüber. Das sich Ausgrenzung, Diskriminierung und Hetze und nicht in unser denken, sprechen und handeln schleicht. Sind wir alle Achtsam und begegnen wir uns als das was wir Alle sind. Als Menschen.

Ich möchte mich bedanken, bei den Menschen die mir ihre Zeit geschenkt haben, die mich unterstützt und bekräftig haben diese Tour zu machen. Die mir aber in den Gesprächen deutlich gemacht haben das es noch sehr viel aufzuarbeiten gibt in der Geschichte.

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